HERALDISCHE GESTALTEN FÜR WOLKER VON STEIN
Katalogtext zur Ausstellung in der Stadtturmgalerie, Innsbruck 1987

Wolker von Stein, ein Mensch des Mittelalters im niederösterreichischen Waldviertel, gerade sein Name ist überliefert, kaum etwas aus seinem Leben ist bekannt, hat sich in meiner Vorstellung eingegraben: er und die heraldische Pracht der Schilde und Wappentafeln seiner Zeit, die Dörfer seiner Familie im Poigreich um Horn, das große Haus Wildberg, das Schloß, das den rot-weiß-roten Bindenschild der Poigenfürsten überliefert hat.

Die Familie der Grafen und ihr kleines "Poigreich" hatten in Karl Lechner einen Historiker, der viele verborgene Zusammenhänge entdeckt und Grundsätzliches zur Geschichte dieser Grafschaft, die er außerhalb des babenbergischen Ostarrichi annahm, ausgesagt hat. Lechners Seminare im niederösterreichischen Landesarchiv der Wiener Herrengasse Anfang der sechziger Jahre blieben mir unvergeßlich, wenngleich mich nicht so sehr geschichtswissenschaftliches Interesse als vielmehr der Geist und das Weltbild des Mittelalters in ihren Bann zogen. Neben meinem Studium der Malerei an der Akademie am Schillerplatz erlangten für mich die Vorlesungen der Historiker Zöllner und Fichtenau immer größere Bedeutung, und ich ließ mich schon damals von der mittelalterlichen Heraldik in meiner Malerei anregen.

 

steininger

 


Wolfker von Stein, geboren an einem 21. Juli, das Jahr ist nicht bekannt, taucht aus der Dunkelheit der Zeit in den Jahren zwischen 1145 und 1170 auf, erhielt seinen Namen nach seinem Großvater mütterlicherseits, Wolfker von Nalb; sein Vater Adalbert war der Schwager Hildburgs, der Gründerin des Stiftes Altenburg, und nannte sich Graf von Rebgau nach seinen Besitzungen im oberösterreichischen Attergau, aber auch Graf von Piugin (Poigen). Wolfer hingegen nahm seinen Zusatz "von Stein" nach der Burg Tursenstein oder Stein, der heutigen Ruine "Ödes Schloß" über dem Kamp nahe dem Umlaufberg. Er erwies sich als Wohltäter des nahe gelegenen jungen Stiftes Altenburg und seiner Mönche.

Die Gründung des Klosters Altenburg bei Horn ist neben der Kultivierung und Kolonisierung des Poigreiches, den Orts- und Kirchengründungen die vornehmste Leistung der Familie der Poigenfürsten, eine Tat, die über die Jahrhunderte bis heute wirkt und strahlt. Die am 25. Juli 1144 in Krems ausgestellte Urkunde weist als Stifterin die "nobilissima Domina" Hildburg, verwitwete Gräfin von Bouige (Poigen bei Horn) aus; ihr bestätigt Bischof Reginbert von Passau eine Mönchszelle nach der Regel des heiligen Benedikt.

Hans SteiningerManche der Theorien Lechners, von denen er sich bis zu seinem Tode nicht trennte, wurden widerlegt, auch die von ihm aufgestellte Genealogie der Grafen von Poigen und Rebgau, Stein, Wildberg und Hohenburg, also der Familie Wolfkers, kann nicht aufrechterhalten werden. All dieser Unsicherheit, dem Verschwommenen jener Zeit, setzte ich meine aus dem Kontext von heute gefallenen, exakten heraldischen Erfindungen entgegen und widmete sie eben diesem Wolfer von Stein, unter dessen Namen ich auch meine Arbeiten ausstellte. Nicht gerade von Erfolg verwöhnt und mir der Unzeitgemäßheit meines Tuns bewußt, aber auch ohne ein Zeichen für die Gegenwart setzen zu wollen, war es mir nicht möglich, mich von meinem Thema für längere Zeit zu trennen.