Katalogtext zur Retrospektive in der Städtischen Galerie Lienz 2001
bzw. im Kunstverein Horn, 2001
Anfang der 80er Jahre begann ich meine Tätigkeit als Galerist in der kleinen Osttiroler Stadt Lienz. Es bedurfte zunächst großer Geduld und viel Enthusiasmus, um wahrgenommen zu werden. Nur sehr wenige Menschen waren dieser Welt aufgeschlossen, darunter Hans Steininger. Gerne erinnere ich mich, dass er immer wieder meine Galerie besuchte und wir interessante Gespräche führen konnten. Fernab einer Kunst- oder Kulturmetropole setzte er sich intensiv mit der Kunst und der Malerei auseinander und dieses Interesse an den schöngeistigen Dingen war ihm sein Leben lang sehr wichtig. Betrachtet man das Oeuvre von Hans Steininger, so zeichnet sich dieses durch eine große Mannigfaltigkeit und Vielfalt aus. Was sich auf den ersten Blick wie ein Panorama voller Brüche manifestiert - als handle es sich um lauter Blicke zurück und nach vorne - ist eine Unzahl von Versuchen in den verschiedensten Richtungen, wobei er jedoch jahrzehntelang einem Thema, den Poigenfürsten und ihren Familien, treu blieb.
Hans Steininger ging dabei ganz unbelastet von ideologischem und theoretischem Ballast auf eine spielerische und erfrischende Art und Weise vor. Zum einen verblüffen die Werke durch eine ungestüme Kraft des Temperaments, welches sich in den gewaltigen Volumina und in der Dynamik der Formen äußert, zum anderen zeichnen sich die Arbeiten aber auch durch eine rationelle, wohlüberlegte Komposition und eine unglaubliche Vielfalt der Farben und ihrer Modulation aus. Die Arbeiten von Hans Steininger sind generell von einer stilistischen Mannigfaltigkeit und einem ungleichen Maß an Abgeschlossenheit gekennzeichnet, durch das Zusammenwirken von Farbe, Fläche, Linie und Form entsteht ein poesievolles Spiel und eine bildnerische Struktur, die sehr viel Platz für Interpretationen und Deutungen lässt. Charakteristisch für die Malerei Hans Steiningers ist dabei, dass Vordergründiges geheimnisvoll bleibt und Lesbares unergründlich wirkt.
Hans Steininger hat Vieles mit seiner Arbeit in Osttirol bewirkt und ich bin froh, dass ich ihn kennenlernen durfte. Er ließ uns staunend teilnehmen an einem Kosmos, an seinem Kosmos, der schier unendlich zu sein schien und neugierig gemacht hätte auf mehr.
